Mir rennt die Zeit davon. Jeden Tag. Ununterbrochen. Sie gleitet mir so schnell durch die Finger, dass ich gar nicht mitbekomme, dass sie da war. Das ist stressig und führt zu Einschlafstörungen, die ich mittlerweile mit Baldrian-Dragees bekämpfe, jedoch letzte Nacht feststellen musste, dass diese nicht mehr wirken. Aber keine Sorge, es geht mir gut. Ich kenne diesen Zustand schon länger und weiß dass es an mir liegt. Als rast- und ruheloser Mensch mit drei Millionen Interessen und einem extrem hohen Ablenkungslevel kenne ich das fast nicht anders …

… oh, da ist ein Schmetterling … Nein, konzentrier‘ dich! Zurück zum Thema!

Oh, da ist ein Schmetterling!So geht es mir jeden Tag. Und seitdem ich mich entschlossen habe, meinen Rucksack zu packen und in die große weite Welt hinauszumarschieren, tun sich mir noch mehr interessante, spannende und wahnsinnig tolle Dinge auf. Mittlerweile habe ich schon einige großartige Menschen kennengelernt, ich lese viele Blogs, arbeite an meinem eigenen und habe drei Millionen Ideen wie es weiter gehen wird. Ich freue mich so wahnsinnig auf das was da kommt, dass ich am liebsten jetzt als gleich alles tun, aufsaugen, lesen und erfahren will. Dieser Tage ist mein Energielevel extrem hoch und mein Tatendrang ebenso. Das Ganze hat aber einen Haken: ich fange viel an und nichts wird fertig. Die To-Do-Listen werden länger und länger, weil die Ideen und Vorhaben mehr und mehr werden, aber das Abhaken lässt auf sich warten, weil mir schlicht die Zeit fehlt, die Dinge fertig zu machen. Sie werden bestimmt irgendwann fertig, da bin ich einfach zu ehrgeizig – ich kann nichts unerledigt lassen. Nur für meinen Stresslevel ist das nicht unbedingt zuträglich, da dieser durch die vielen noch zu erledigenden Dinge immens in die Höhe geschraubt wird. Ich frage mich, ob irgendjemand auch so tickt wie ich? Hmm, anyone?!

Ich kann mich oft nur schwer auf eine Sache konzentrieren. So kommt es vor, dass ich eigentlich vor habe meinen Koffer für den Trip nach Berlin zu packen und diesen auch hervorkrame, dann aber am Laptop vorbeigehe, wo ich ja noch kurz meine Mails checken und diesen Blogartikel beginnen könnte, während mir mein Telefon nebenbei sagt dass jemand an einer meiner Taschen interessiert ist, die ich bei willhaben.at inseriert habe, also mache ich ein Treffen aus, dann fällt mir ein, dass die Waschmaschine fertig ist und ich ja noch ein bisschen Sport machen wollte, was ich dann auch sogleich tue. Am Hometrainer angekommen, interessiert mich das Wetter in Berlin, das ich praktischerweise währenddessen ich in die Pedale strample am Ipad checken kann und es fällt mir ein, dass ich dringend morgen auf die Post muss. Also runter vom Rad, um das zu versendende Päckchen zu schnüren. Der Koffer steht also noch immer leer in der Wohnung und harrt der Dinge, die da kommen, oder auch nicht. Es ist fast Mitternacht und mir läuft die Zeit davon.

Auch beim Lesen und Lernen springe ich von Thema zu Thema und freue mich an der Vielseitigkeit der Welt, Menschen, Geschichten, Orte, Erfahrungen und Inhalte, doch am Schluss habe ich oft das Gefühl dass eigentlich nichts so richtig haften bleibt, von dem was ich lese. Vermutlich ist es zuviel Information auf einmal. Der Overkill fürs Gehirn. Irgendwann macht es puff und es explodiert. Scannerpersönlichkeiten nennt man solche Menschen. Also nicht die, denen das Gehirn explodiert, sondern die, die tausend Interessen haben und am liebsten alles gleichzeitig machen wollen. Ich habe das vor kurzem irgendwo aufgeschnappt, hatte aber – man ahnt es gleich – noch keine Zeit mich näher damit zu befassen. Vielleicht gäbe es da einen guten Rat für mich 😉

Gestern jedenfalls hatte ich eine grandiose Idee. Ich mache das, was von vielen schlauen Menschen geraten wird: ich stelle einen Plan auf. Mit Zeitfenstern, Zielen und Checklisten. Ich verwende die App, die ich beruflich auch zum Ordnen meiner Projekte nutze, da sie sich bewährt hat und erstelle Überschriften und markiere die Themen mit Farben und Prioritäten. Ich plane also wild drauf los und schreibe alles nieder bis ….

… oh, da ist ein Schmetterling.

Verdammt!

Das Fremde bringt dich zu dir selbst zurück!Warum ich das hier erzähle? – Weil Reisen hilft! Es hilft mir runter zu kommen, es hilft mir mich zu konzentrieren und den Fokus auf die wichtigen Dinge zu lenken. Es hilft mir im Hier und Jetzt zu leben und nicht tausend „Das-muss-ich-auch-nochs“ im Kopf zu haben. Es gibt mir Ruhe, füttert meine Neugier und stillt meinen Erlebnishunger. Das Fremde führt mich zu mir selbst zurück. Ich lerne so viel auf meinen Reisen. Über die Menschen, Kulturen und Geschichten. Doch am meisten lerne ich beim Reisen über mich selbst. Und die Zeit steht still.

 

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About Author

Hi, I`m Nela. Digital nomad, creative, board-, art- and ocean lover from Austria. Travelling since October 2015 and the worst travel blogger ever.

2 Kommentare

  1. hi Nele, großartiger Artikel! Mir geht es jeden Tag genau so wie Dir. Ich könnte Dir so viel übers lesen, planen und vor sich herschieben erzählen. Ich habe jede Menge Ideen im Kopf, besonders die hier finde ich genial…oh warte, da ist ein Schmetterling

    • Hahahahaaa René, ich musste so lachen bei deinem Kommentar ;))) … bin froh dass ich nicht die einzige bin, die gern Schmetterlingen hinterherjagdt ;))

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