Knappe 6 Wochen ist es nun her, dass ich in mein neues Leben aufgebrochen bin. Zeit, die Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen einmal revue passieren zu lassen.

Jetzt gerade, während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer kleinen Bäckerei auf Koh Samui in Thailand. Vor zwei Tagen bin ich hier angekommen und fühle mich wie zuhause. Dabei ist es schon drei Jahre her, dass ich zum letzten Mal hier war. Aber ich greife vor …

 

Es begann in Afrika

Begonnen hat meine Reise nämlich in Südafrika. In Kapstadt, um genau zu sein. Der Abschied von Österreich, vor allem von meinen Freunden und meiner Familie ist mir sehr schwer gefallen. Davon habe ich bereits hier berichtet. Das war bisher wohl der emotionalste Teil meiner Reise.

Ich fliege also nach Kapstadt. Meinen Bruder Oliver, den ich lieber Oll nenne, im Gepäck. Wir beide wollen bei einem Hilfsprojekt arbeiten. Organisiert wurde alles durch die Hilfsorganistion Rainbow Garden Village, über die ich noch berichten werde. Bevor du dort etwas buchst, solltest du lieber meinen Bericht abwarten.

Wir wurden von Chad, einem jungen Südafrikaner und Betreuer bei Rainbow Garden Village, vom Flughafen abgeholt und zu unserer Gastfamilie gebracht.

Es begann in Afrika

Der Stress der letzten Monate fordert seinen Tribut

Zu diesem Zeitpunkt ging es mir emotional und körperlich überhaupt nicht gut. Der Stress der letzten Monate hatte sich mittlerweile auch physisch bemerkbar gemacht. Die Augen taten mir schon seit mehreren Wochen weh und kein Arzt konnte herausfinden woran es wirklich lag. Mein Bauch macht mir ohnehin schon seit einem knappen Jahrzehnt zu schaffen. Zudem hatte ich schlechte Haut und konnte kaum schlafen. Nun kam auch noch eine Verkühlung hinzu. Emotional war ich nicht mehr ich selbst. Völlig ausgelaugt, niedergeschlagen, ohne Kraft.

Ich war völlig überrascht, dass sich das Gefühl der Freiheit, das ich sonst beim Reisen empfinde, nicht einstellen wollte. Ich war so traurig, ich wollte am liebsten allein sein. Mich irgendwo verstecken und ein paar Tage nicht heraus kommen.

Aber so lief das nicht in Kapstadt. Privatsphäre gab es für die nächsten Wochen keine.

Mein Bruder und ich wurden in ein winziges Zimmer mit Stockbett gesteckt. Eine Tatsache mit der wir uns zwar arrangieren konnten, was aber auf Dauer nicht einfach war. Es dauerte nicht lange bis der erste handfeste Streit vom Zaun brach. Ich liebe meinen Bruder heiß, aber wenn man täglich 24 Stunden aufeinander klebt, dann ist das für keine Beziehung gut, egal ob es sich um Bruder und Schwester oder um eine Liebesbeziehung handelt. Keinen Rückzugsort zu haben, ist einfach keine Option! Zumindest nicht dauerhaft und nicht für mich. Für Oll übrigens auch nicht.

Zum Glück sind Oll und ich erwachsene und halbwegs vernünftige Menschen und konnten die Unstimmigkeiten beseitigen. Dennoch würde es auch die nächsten Wochen nicht immer ganz friedlich ablaufen.

Die ersten beiden Wochen in Afrika wollte es mir nicht so recht gelingen anzukommen. Ich war krank und müde. Ich schlief jeden Tag an die 12 Stunden und tat mir schwer mich auf irgendwen oder irgendwas so richtig einzulassen. Irgendwie verstand ich nicht so recht, was mit mir los war. Warum war ich denn nicht glücklich? Warum ging es mir so schlecht? Da war ich endlich unterwegs, wovon ich so lange träumte und dann konnte ich mich nicht so richtig freuen. Mich setzte das unter Druck.

 

Auf Regen folgt Sonnenschein – immer!

Als die körperlichen Beschwerden schön langsam nachließen, stellte ich mit Freuden fest, das meine Augen, die mir so viele Probleme in den vergangenen Wochen gemacht hatten, gesund geworden waren. Die Schwellungen und das Brennen war weg. Der viele Schlaf hatte ausgereicht um Heilung hervor zu rufen. Meine Haut war deutlich besser geworden. Es ging bergauf.

Mit der Gesundheit besserte sich auch meine Laune. Und damit begann ich auch das wundervolle Land Südafrika aufzunehmen. Die Landschaft war einfach atemberaubend. So unglaublich schön, dass es einem die Sprache verschlägt. Die Menschen sind so fröhlich und liebenswert, wie sonst kaum auf der Welt. Da wird ständig gesungen und die Leute reden mit einem, als würde man sich schon ewig kennen, selbst wenn man sich zum ersten Mal sieht. Die Mentalität mag ich ganz besonders an Südafrika.

streetarttour

Auf der Streetarttour in Kapstadt – schnell werden Freundschaften geschlossen

 

Die Arbeit, mein Laptop und ich

Da ich im November auf Urlaub war, arbeitete ich weniger als sonst. Aber nicht gar nicht. Wenn man selbständig ist, oder sich gerade selbständig macht, dann arbeitet man nicht nie. Ich versuche derzeit meine vielen Projekte auf die Reihe zu bekommen, Fokuspunkte zu setzen und Kooperationen zu knüpfen. Ich liebe meine Arbeit und freue mich dass ich das tun kann, was ich gerne tue.

Manchmal fand ich es sogar schade, dass ich in Kapstadt auch gar nicht so viel Zeit zum Arbeiten hatte. Erschwerend hinzu kam noch, dass mein Bruder wenig Verständnis für meine Arbeit am Computer hatte und ich mir dementsprechende Vorwürfe anhören musste, wenn ich einmal einen Tag in den Rechner schaute.

Ich frage mich ob es anderen digital arbeitenden Menschen auch so geht, dass einem die Umwelt Vorwürfe deshalb macht? Wenn du da Erfahrungswerte oder Geschichten dazu hast, lass es mich wissen! Vor allem würde es mich interessieren wie du damit umgehst. Einfach rein damit in die Kommentare zu diesem Post.

 

Ich ging dann zum ersten Mal in einen richtigen Coworking Space. Bisher hatte ich lediglich Coworking Cafes in Berlin ausprobiert. In Kapstadt gibt es einige tolle Plätze zum Arbeiten für digitale Nomaden.

Ich war im Daddy O`s und im Twentyfifty, wo ich einen tollen Meetingraum für meinen Photoshop Workshop, den ich über Skype abhielt, hatte. Ich fands richtig toll dort und hab mich sofort wohl gefühlt zwischen all den Gleichgesinnten.

 

Der Sieg der Privatsphäre – genieße die kleinen Dinge!

Nach vier Wochen ohne Privatsphäre war dann der Zenit erreicht und mein Bruder und ich beschlossen aus dem Haus der Gastfamilie auszuziehen. Wir buchten eine Unterkunft in Fishhoek. Das Haus lag auf einem Hügel. Von der Terrasse aus hatten wir den wohl schönsten Ausblick, den man sich vorstellen kann.

Aber das allerbeste an der Unterkunft war, dass jeder von uns ein eigenes Ziemmer und ein eigenes Bad hatte. Halleluja.

Auf einmal hatte ich wieder das Gefühl atmen zu können. Da freut man sich dann über so Kleinigkeiten, dass man seine Klamotten hinlegen kann, wo man will, dass man Filme schauen und Musik hören kann ohne die Kopfhörer verwenden zu müssen, dass man sich morgens nicht aus dem Zimmer schleichen muss, weil der andere noch schläft. Da sind diese Winzigkeiten plötzlich wie ein Geschenk des Himmels.

Wunderschön in Fishhoek

Viel brauche ich nicht zum glücklich sein – das Meer, Sonne, ein ruhiges Fleckchen zum Arbeiten, und diese fantastische Aussicht

 

Das beste kommt zum Schluss

Die letzte Woche war dann naturgemäß sehr schnell vorbei. Leider. Da fing es nämlich erst an richtig cool zu werden. Wir hatten mittlerweile einige neue Freunde gewonnen, im Hilfsprojekt gab es endlich was zu tun und die Wohnsituation war deutlich besser geworden.

Dennoch freute ich mich auf Thailand.

Die ersten Wochen und die Zeit in Kapstadt haben mich viel gelehrt. Ich habe einiges über mich selbst herausgefunden. Und ich habe es geschafft etwas von dem Druck von mir zu nehmen, den mich mir so oft selbst mache, wobei da bestimmt noch Luft nach oben ist.

Ich habe einen tollen Einblick in die südafrikanische Kultur bekommen und für mich fest gestellt, dass das Leben in einer fremden Familie für mich nicht unbedingt das Richtige ist. Das liegt weniger an den Menschen – ganz im Gegnteil – ich habe die Gastfamilie sehr ins Herz geschlossen, sondern viel mehr daran, dass ich mir schwer tue mich Regeln und Vorgaben zu unterwerfen, auch wenn diese nicht streng sind. Ich kann mich zwar daran halten, aber Spaß macht es mir nicht. So tick ich eben.
 
 

Seit zwei Tagen bin ich nun in Thailand. Meine Reise geht vorerst alleine weiter, was ich derzeit sehr genieße. Ich bin gerade unbeschreiblich glücklich hier zu sein.. Es fühlt sich ein bisschen an wie nach Hause kommen. Die nächsten Wochen und Monate werden bestimmt noch spannend und ich freue mich natürlich wenn du mich virtuell weiter begleitest. An dieser Stelle, ein dickes Dankeschön und die besten Grüße an dich, lieber Leser bzw. liebe Leserin! Bis bald.
 

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About Author

Hi, I`m Nela. Digital nomad, creative, board-, art- and ocean lover from Austria. Travelling since October 2015 and the worst travel blogger ever.

7 Kommentare

  1. Pingback: Wie der Wunsch zu helfen zur Abzocke wird - Freiwilligenarbeit - travel.asktherabbit

  2. Hallo Nela,

    ich bin erst jetzt auf deine Webseite gekommen und hatte davor keine Ahnung davon. 😉

    Aber wollte dir nur sagen, dass sie mir sehr gut gefällt und ich es spannend finde, von deinen Eindrücken zu lesen und die aktuellen Fotos anzusehen! 🙂

    Bussi Mary

    • Hallo Mary!
      Schön von dir zu lesen!! 🙂 Tssss, hat dir der Luki gar nichts erzählt von der Seite *g*
      Wie gehts dir denn? 🙂 Freu mich wenn du hin und wieder vorbei schaust 🙂
      Leider schaff ich es nicht immer alles ganz akutell zu halten, weil so viel passiert. Alles so aufregendend, so spannend, so abwechslungsreich 🙂 Love it!
      Ganz liebe Grüße!!

  3. Hallo Nela,

    nein, ich erfahre wenn dann immer alles als Letzte oder irgendwie so nebenbei. 😉 Aber immerhin jetzt weiß ich ja Bescheid und freue mich auch, Fotos von deiner Reise sehen zu können. Macht ja nichts, genieße das Reisen, ich komme auch nicht so oft zum PC und wenn dann eher nur für die Arbeit.

    Freut mich aber sehr, dass es dir bei deiner Reise so gut geht und du dich der Kunst widmen kannst! 🙂

    • Och Mary, das tut mir leid, dass die Informationskette da nicht funktioniert. Muss ich mitm Luki schimpfen 😉 *g*
      Danke fürs Reinschauen! Bis ganz bald! LG Nela

  4. Wo steht denn jetzt was zu RainbowGardenVillage & Freiwilligenarbeit- Abzocke?
    Oder haben sie Dich auch unter Druck gesetzt, was Negatives zu löschen?

    • Hallo Max!
      Sorry für die späte Antwort – bei mir gehts ein bisschen drunter und drüber!

      In der Tat wurde ich angehalten Negatives zu entfernen. Das ist aber nicht der Grund, warum der Artikel derzeit nicht zu finden ist.
      Ich strukturiere die Website um und da musste der Artikel derzeit raus. Ich weiß noch nicht ob ich ihn wieder einbinde.

      Wie war das bei dir? Ich entnehme deinem Kommentar, dass dir ähnliches passiert ist??

      LG
      nela

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