Bei Ania von Geh-mal-reisen hab ich einen tollen Artikel gelesen, in der sie die Woche vor ihrer Kündigung beschreibt. Das hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, einen Artikel in ähnlicher Art und Weise zu schreiben. Und zwar geht es bei mir um die Woche vor dem Tag meines Auszugs aus meiner Wohnung.

Ja, was ist da jetzt eigentlich so Besonderes daran, wenn jemand aus seiner Wohnung auszieht? Tagtäglich ziehen Menschen um, packen ihr Hab und Gut in Kisten und besiedeln einen neuen Raum. Nun, genau da liegt der Unterschied. Ich beziehe keinen neuen Raum. Dieser Auszug ist der erste Schritt in Richtung ortsunabhängiges Leben, der erste Schritt in Richtung ultimative Freiheit, der erste große Schritt in die richtig große Veränderung.

Und während ich diese Zeilen schreibe, wird mir so richtig klar, dass das ganze Vorhaben „Digitales Nomadentum“ anfängt Wirklichkeit zu werden. Bisher war es viel Vorbereitung, Ideen, Pläne, alles noch ein bisschen abstrakt und mehr auf dem Papier und im Kopf. In einer Woche ist es dann echt. Ich bin dann zwar noch ein paar wenige Wochen in Österreich, aber ich habe keine eigene Wohnung mehr. Es wird jetzt ernst, wie man so schön zu sagen pflegt.

Na dann, lass uns los legen … One week to go!

 

Montag, 21.09.2015

Ich mag Montage nicht besonders, aber wer mag die schon?! Nach einem nicht wirklich erholsamen Wochenende, stürze ich mich wie gewohnt in die Arbeit, die ich zwar sehr mag, aber die Routine gefällt mir nicht. Das erzwungene Aufstehen, die Fahrt ins Büro, die Pflicht den Großteil des Tages dort zu verbringen, auch wenn ich mal keine Lust oder nur wenig zu tun habe. Von der vielen Computerarbeit habe ich mittlerweile kaputte Augen und vom vielen Sitzen ständig Kopfschmerzen, weil ich so verspannt bin. Ich träume von den Tagen am Strand, von einem Leben im eigenen Rythmus und weiß dass es nicht mehr lange dauert.

Am Wochenende habe ich meinen letzten Krempel verkauft. Die letzten Monate waren geprägt von Ausmustern, Verkaufen, Trennen von Dingen, die ich ohnehin nicht brauche und auch von Dingen, von denen ich dachte sie lägen mir am Herzen – das tun sie nicht. Es ist erstaunlich wie leicht es einem fällt sich seines Krams zu entledigen, wenn man einmal damit angefangen hat. Ich war vier mal bei Flohmärkten und dieses Wochenende war das erfolgreichste, obwohl es eigentlich nur noch mehr oder weniger wertloses Zeug war, das ich zu verkaufen hatte. Die letzten Dinge hab ich fast verschenkt, ich war einfach nur noch froh das Zeug los zu sein. Mittlerweile hab ich schon genug von der Verkauferei. Es ist anstrengend auf Dauer und freue mich, dass sich alles dem Ende neigt.

Montags nehme ich mir nie allzu viel vor, weil ich weiß dass ich da abends immer müde bin. Aber heute habe ich noch einen Termin bei meiner Steuerberaterin, die mir mit Rat und Tat auf meinem Weg in die Selbständigkeit bei steht. Sie erklärt mir Steuer- und Buchhaltungsthemen und ich versuche so viel wie möglich zu behalten und schreibe brav mit. Es gibt einfach Dinge, die nicht so recht in meinen Kopf wollen – Buchhaltung ist eins davon. Aber dafür hab ich mir ja Hilfe geholt. Man muss ja nicht alles selber machen – ein Gedanke, der mir in letzter Zeit immer mehr gefällt.

 

Dienstag, 22.09.2015

9 Stunden im Büro, was soll ich dazu sagen? Mir tun die Augen weh. Daheim angekommen, bin ich aber trotzdem voller Tatendrang. Ich kann kaum mehr durch meine Küche gehen, weil mittlerweile schon viel ausgeräumt ist und in losen Schachteln in der Gegend herumsteht. Ich beschließe ein bisschen Ordnung und Übersichtlichkeit ins Chaos zu bringen. 53 Bücher und ein paar DVDs habe ich an Momox verkauft. Die packe ich nun endlich in eine Kiste, dir mir der nette Herr vom Spar geschenkt hat und bin hoch erfreut, dass alles hineinpasst und ich die Kiste samt Büchern immer noch heben kann. Morgen werde ich sie zur Post bringen.

Meinen Kleiderkasten habe ich in den vergangenen Monaten schon mehrmals ausgemistet. Heute ist der letzte Rest fällig. Die Klamotten, die ich weder am Flohmarkt noch über willhaben verkaufen konnte, werden nun gespendet. Es sind noch ein paar schöne Teile dabei, die ich nachdenklich in den Händen wiege, sie aber dann doch in die Spendenkiste schmeiße und daran denke, dass ich dort, wo ich hingehe, ohnehin nur Bikini und Shorts brauchen werde.

Es ist ein jämmerlicher Anblick, den mein Kleiderkasten bietet. So groß und so leer. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass er vor gar nicht allzu langer Zeit über gequollen ist. Und jetzt passen all meine Klamotten in einen Koffer (für die Wintersachen, die nicht mit auf Reisen gehen) und meinen Rucksack.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, das sich in mir breit macht. In einer Woche bin ich nicht mehr hier. Mein Hab und Gut wird immer weniger. Die Wohnung ist aber noch wohnlich, da alle Möbel hier bleiben und von meiner Nachmieterin, die ich nun endlich gefunden habe, übernommen werden. Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass ich die Möbel in Bausch und Bogen verkaufen kann.

Ich freue mich dass die Tage bald gezählt sind, aber manchmal beschleicht mich ganz leise und ganz kurz ein bisschen Wehmut. Manchmal hab ich auch ein bisschen Angst, aber das gehört dazu. Es überwiegt die Vorfreude und die freudige Aufregung. Ich grinse oft über das ganze Gesicht und lache in mich hinein, wenn ich daran denke, dass vor mir die ganze Welt liegt und nur darauf wartet entdeckt zu werden. Es gibt so viel, das ich noch nicht gesehen habe und ich bin so unendlich dankbar, dass ich die Möglichkeiten habe, das zu tun wonach mein Herz so schreit.

Aber es werden bestimmt auch noch Tränen fließen, das weiß ich. Spätestens am Freitag …

 

Mittwoch, 23.09.2015

Ich fühle mich als hätte mich ein Traktor überfahren. Zu wenig geschlafen und zuviel getan in diesem Zustand. Heute habe ich mich von meinem geliebten Dell-Laptop getrennt. Man glaubt ja nicht, wie viel Aufwand das ist ein genial eingespieltes, laufendes System auf einen neuen Laptop zu transferieren. Mein Dell-Laptop war ein großartiger Dienstleister. 6 Jahre schon, was für einen Laptop ja schon fast ein Greisenalter ist. Der Grund für meine Trennung ist, dass er einfach zu fett geworden ist. Zu groß, zu klobig und vor allem zu schwer für meine lange, bevorstehende Reise. Da musste er leider gegen ein schlankeres, jüngeres Modell getauscht werden. Ja, sowas gibt es auch in der digitalen Welt 😉

Also den ganzen Tag damit mit Kopieren, Installieren und Deinstallieren zugebracht. Bis aber auf meinem neuen Laptop alles so ist, wie ich es mir wünsche, dauert es wohl noch ein paar Stündchen. Aber meine wichtigsten Werkzeuge laufen und die ersten Arbeitstest hat der neue Jüngere mit Bravour gemeistert. Ein bisschen weine ich trotzdem meinem Alten nach – das erste Ding, bei dem mir doch ein bisschen Leid ist dass es nun nicht mehr Mein ist. Hat er mich ja doch lange und vor allem täglich begleitet. Au revoir!

Außerdem war ich heute bei meiner geliebten Mama, die mir ein Plätzchen für mein letztes Hab und Gut angeboten hat, das ich bei ihr am Dachboden bunkern kann. Der letzte Rest meiner Sesshaftigkeit wird am Wochenende in Kisten verpackt und dann auf den Dachboden verfrachtet, wo es gemütlich vor sich hinstauben kann. Vermutlich stelle ich in ein paar Monaten fest, dass auch diese letzten Dinge völlig unnötig sind.

herbstlich

Donnerstag, 24.09.2015

Mir ist kalt. Der Herbst schlägt mit voller Wucht zu und fährt mit allem auf was er hat. Kalte Temperaturen, Wind, Regen, Nebel. Das volle Programm. Alles, was sich ein Mensch wie ich wünscht – NICHT. Ich hasse es, mir ist rund um die Uhr kalt. Und man kann nicht behaupten ich hätte zu wenig Gewand an. Ich fühle mich wie das Michelin-Männchen. Vier Schichten, zwei Paar Socken, Schal – ich spekuliere sogar schon mit Handschuhen. Ich habe mir letzten Winter geschworen, dass ich die Kälte nicht noch einmal mitmache und so zähl ich die Tage bis zu meiner Abreise in wärmere Gefilde. Wäre ich ein Vogel, dann wäre ich wohl auch ein Zugvogel geworden. Diese schlauen Tiere machen es richtig – abhauen, wenn das Wetter unwirtlich wird. Ja, der Mensch kann einiges von der Natur lernen.

Ich weiß nicht ob es der Herbst, das kalte Wetter, mein Auszug oder meine bevorstehende Abreise mit sich bringt, aber von Zeit zu Zeit werde ich etwas nachdenklich. Ich fürchte mich ein bisschen vor den Abschieden, vorm Auf-Wiedersehen-Sagen, vorm Loslassen – das war noch nie meine Stärke. Der Tag X rückt näher und damit auch das Bewusstsein, dass ich viele, mir sehr wichtige, Menschen dann lange nicht sehen werde.

Im Gegenzug wird so viel Neues, Spannendes und Aufregendes passieren.

Es gibt immer einen Preis zu zahlen, vor allem wenn man etwas für sich selbst tut. Kein Vorteil ohne Nachteil. Aber das war mir schon bewusst, bevor ich  meine Reise angetreten habe. In einem meiner ersten Blogposts habe ich intensiv über alle Für und Wider nachgedacht. Und noch immer bin ich felsenfest davon überzeugt die richtige Wahl getroffen zu haben, auch wenn das bedeutet für eine Weile von meinen Lieben Abschied zu nehmen.

Ich frage mich, ob alles so sein wird, wie ich es mir in meinen kühnen Träumen ausmale. Oder vielleicht noch besser? Oder ganz anders? Die Zukunft fühlt sich zur Zeit so groß und so unendlich an. Wohl wegen der vielen Möglichkeiten, die sich mir offenbaren. Die vielen Wege, die beschritten werden können. Als läge die ganze Welt vor mir 🙂

 

Freitag, 25.09.2015

Was hab ich gesagt? Es wird Tränen geben und so war es auch. Meine besten Freunde haben für mich eine Abschiedsparty organisiert! Und das war ein Fest, bei dem kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Ich hatte keine Ahnung wer aller dabei sein würde und hatte auch keine Ahnung wo das Ganze steigt – das einzige, womit ich mir sicher war, war dass es eine lange Nacht werden würde. Und so war es auch!

Dass jede Menge Alkohol im Spiel war, kann man sich ja denken. Mein Rudel und ich lassen uns halt nichts vormachen, wenn es ums Feiern geht, so viel kann man ja verraten, ohne um seinen Ruf (welcher Ruf?!) fürchten zu müssen. Ach, was hab ich mich gefreut und geheult und gefreut!

Ich habe die besten Freunde auf der Welt! Denen stiehlt niemand die Show. Sie alle sind mir so ans Herz gewachsen über die vielen vergangenen Jahre. Wieviele Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen, wie viele Geschichten erzählt, wie viel Herzeleid geteilt und wie viele Freudentage gemeinsam verbracht … unzählige! Und jeder einzelne ist eine wertvolle Erinnerung! Ich liebe euch!

Der Abschied fällt mir natürlich dementsprechend sehr schwer. Bis zu meiner endgültigen Abreise sind es ja noch ein paar wenige Wochen und ich habe den Verdacht, dass die Abschiedsfeier nicht die letzte war 😉

Die Besten der Besten!

Wohnungstechnisch bahnt sich hingegen die nächste Katastrophe an. Wenn doch nur alles so leicht wäre wie eine Nacht durchzufeiern. Mein Vermieter schreibt mir dass er die Nachmieterin nicht erreichen kann und er befürchtet, dass sie abspringt. Zum Glück bin ich mit Feiern beschäftigt und gerate erst dann leicht aus der Fassung, als sie mir schreibt, ob sie erst am Mittwoch mit der Ablöse (für die Möbel) vorbei kommen kann. Mir schwant Böses, aber erst mal trink ich noch ein Bier und umarme meine Freunde!

 

Samstag, 26.09.2015

Ich bin tot. Mir tun Körperteile weh, von denen ich nicht einmal wusste dass ich sie habe. Die Nacht war in der Tat sehr lang. Ich beschließe gemeinsam mit meiner Freundin Jojo einen Katertag und wir tun: NICHTS.

Essen, schlafen, fernsehen – zu mehr ist mein Organismus nicht in der Lage. Das Schönste an einem Kater ist aber, dass mir in so einem Zustand so ziemlich alles egal ist. „Stressfreier geht es fast gar nicht“, denke ich und schieb mir noch ein Lachsbrötchen rein.

 

Sonntag, 27.09.2015

Der Kater vom Vortag ist auskuriert und das große Packen steht am Programm. Mein Hometrainer wird von meiner lieben Freundin Jojo mitgenommen. Adieu, nächtliche Strampelsessions. Nach langen Arbeitstagen bin ich gerne auf dem Gerät gesessen und hab mir den Stress weg gestrampelt. Auf diesen Luxus muss ich nun verzichten. Mein Hometrainer war mir ein treuer, oft genutzter Diener, aber genauso oft hat er mich sträflich angeschaut, wenn ich einmal länger keine Zeit und keine Lust für Sport hatte. Ich bin aber froh, dass nun Jojo ihre Fitness damit stärken kann und freue mich dass das Gerät in guten Händen ist.

Außerdem schenke ich ihr einen Großteil meiner geliebten Kuschelpolster, den anderen Teil bekommt eine weitere Freundin. Ich hatte eine richtige Sammlung und habe es geliebt mein Bett mit 20 Polstern zu teilen. Jetzt ist mein riesiges Bett leer und einsam. Die darauffolgende Nacht werde ich nicht schlafen können, aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ich packe also meine verbliebenen Dinge in große Umzugskartons und frage mich, ob die Geschichte mit der Nachmieterin ein gutes oder ein böses Ende nehmen wird. Mein Vermieter kommt mich besuchen und berichtet, dass die potentielle Nachmieterin nicht zum vereinbarten Termin erschienen ist. Rätselhaft bleibt ob sie am 30.09. zur Wohnungsübergabe kommen wird, oder nicht. Wenn nicht, dann geht das Spiel mit dem Nachmieter-suchen von vorne los und ich kann nicht wie geplant am Ende des Monats meinen restlichen Kram nehmen und meine Zelte hier abbrechen. Ich vereinbare mit meinem Vermieter, dass ich notfalls noch bis Mitte Oktober in der Wohnung bleibe, um meine verbliebenen Möbel zu verkaufen oder doch noch einen Nachmieter zu finden, der alles so nehmen möchte wie es ist. Und so wird die Woche vor dem Auszug womöglich doch noch länger als geplant.

 

Fazit und mein Rat für dich

Wenn ich dir einen Rat geben darf, falls du planst ein unabhängiges Leben als digitaler Nomade zu führen und du dein gesamtes Hab und Gut los werden willst: Plane genug Zeit ein!

Ich muss gestehen, dass ich mir das deutlich leichter vorgestellt habe. Ich dachte, das bisschen Zeug und die tolle Wohnung würde ich im Nullkommanix los werden – aber dem ist nicht so. Das Ganze erfordert sehr viel Zeit, Geduld und bringt auch einige Rückschläge mit sich!

Also plane gut! Und verliere den Mut nicht, wenn die Dinge schief laufen. Es kostet viel Kraft und Durchhaltevermögen. Du darfst das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dann schaffst du das. Das ist auch das was mich immer und immer wieder antreibt.

Ich weiß, dass ich in drei Wochen im Flugzeug sitzen und über all die Rückschläge lachen werde. Ich werde mich mit erhellenden Gedanken an diese Woche erinnern, an die schönen Stunden mit meinen Freunden, an die Hilfe und die Unterstützung meiner Lieben.

Und bis dahin bleibt es spannend. Ich werde dir berichten, ob ich nun mit Ende September diese Wohnung verlasse oder die Dinge doch anders laufen als geplant. Ich habe das Gefühl dass dies künftig noch öfters so passieren wird. Das macht das Leben aber auch irgendwie aufregend.

 

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About Author

Hi, I`m Nela. Digital nomad, creative, board-, art- and ocean lover from Austria. Travelling since October 2015 and the worst travel blogger ever.

3 Kommentare

  1. Liebe Nela
    Wow, langsam wird es erst. Ich danke dir, dass du uns an diesem besonderen Schritt teilhaben lässt.
    Ich ziehe zwar nicht aus, habe aber begonnen, mich auch von überflüssigen Dingen zu trennen. Fiel es mir am Anfang noch schwer, fällt es mir mittlerweile um einiges leichter. Der erste Schritt ist immer der schwerste.

    Liebe Grüße Kirsten

    • Hallo Kirsten!

      Danke für deine Nachricht! 🙂 Freu mich immer wieder sehr von dir zu lesen!
      Ja, stimmt, der erste Schritt ist hart, aber wenn der einmal getan ist, dann ist der Rest fast ein Spaziergang 🙂
      Es ist auch erstaunlich wie einen das innerlich verändert, wenn man sein Leben umkrempelt … bin immer wieder aufs Neuer erstaunt.

      Schönen Gruß nach Kroatien,
      Nela

  2. Pingback: Abschiede und warum das alles gar nicht so einfach ist

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